WEGHAFTES. ARCHITEKTUR UND LITERATUR




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4.1. /
/ Markus Jaroschka: Die Reihe "Werkgruppe Lyrik"
- Zelte der Sprache /


/ Die Poesie in der technischen Industrierevolution /

Was für eine Zukunft hat also die Poesie in der Zweiten, der elektronischen Industrierevolution? Welche 'Wege' sind in der Atemlosigkeit der 'Welt' für die Poesie noch möglich? Nach der Technisierung der Sprache, der Struktur unseres Denkens, der Psyche? In der ersten industriellen Revolution hat es in England bereits Ende des 18. Jahrhunderts eine Diskussion über den Anachronismus der Lyrik gegeben. So hatte Thomas Carlyle Anfang des 19. Jahrhunderts gemeint, im 'Mechanischen Zeitalter" habe die Poesie keine wirkliche Funktion mehr. Die Entwicklung der Poesie in Europa verlief jedoch anders. Nach Michael Hamburger erreichte die europäische Lyrik bis zum Ersten Weltkrieg eine vorher nicht existente Leserschaft - dank vermehrter Bildung, dank der Ausbreitung der Lesefähigkeit, einer mechanisierten Buchindustrie, einer viel größeren Bevölkerungsschicht mit vermehrter Freizeit "und dank des Bedürfnisses eben dieser Schicht, sich über Imagination oder Sentimentalität für kurze Zeit von den ökonomischen Realitäten des 'Mechanischen Zeitalters' zu absentieren." Daraus ergeben sich sogleich mehrere Fragen: Worin besteht die 'Dialektik der Poesie'? Ist auch heute die Poesie ein Anachronismus? Ein Sedativum für Betroffene in einer übertechnisierten Welt? In einer Informations- oder Kommunikationsgesellschaft ein Bereich ohne 'Information'? Dazu gibt es einen für unsere Zeit feinen Gedanken für die Unterscheidung von Sprache und Kommunikation: Literatur ist Kommunikationsunterbrechung...




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