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4.1. /
/ Markus Jaroschka: Die Reihe "Werkgruppe Lyrik"
- Zelte der Sprache /


/ Lyrik / Band3 /

Die Herausgeber der Lyrikreihe der WERKGRUPPE GRAZ waren sich vielleicht gar nicht bewusst, wie sehr in diesen 26 Lyrikbändchen eine 'Topographie der Poesie' zu Tage tritt. Es geschieht an den vielen, von den LyrikerInnen aufgesuchten realen und imaginären 'Orten' ein "Umspringen der Dinge". Diese Orte sind angesiedelt, oft gleichzeitig, in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Die Herausgeber wissen in der Tat um die Notwendigkeit des Verlassens von zu eng gewordenen 'Heimaten', es gilt auch für sie als Architekten, wieder Grenzen zu überschreiten. Architektur und Poesie sind sich hier ganz nahe. Es ist ohne Zweifel "die ästhetische Dialektik", die diese merkwürdige Spannung erzeugt - begründet im gleichzeitigen Gestern, Heute und Morgen.

Alfred Kolleritsch schreibt im Band 3 unter dem Titel "erinnerter zorn" mit dem Gedicht ERINNERUNG I von dieser "Dialektik der Poesie":




/Alfred Kolleritsch: "ERINNERUNG I" /___________________


ERINNERUNG I

"diese gedichte waren vorwegnahmen
von taten", schrieb ein freund.
sie kehren durch trübes wasser zurück,
behangen mit hindernissen
auf ihren wegen.
jetzt könnte man
über die anlässe schreiben,
über den zorn,
jetzt, wo es zeit ist,
sich zu erinnern,
in klaren sätzen
durch zähere taten.

was bisher war,
zerriß das vertrauen,
sandsäcke wuchsen in den gelenken,
ich hörte hinter mir
die zornige heiterkeit rufen.

die sonne raschelt
und rät manches wegzutragen.

es heißt maßhalten
mit den aufschwüngen.
eine neue sehnsucht,
die sich breit macht,
verspricht ärgeres.

man wird machtlos,
machtlos gegen die träume,

auf dem wege der besserung
lockt eine krankheit
es ist der wille 'der' krankheit.

so erhält die ungeduld den
anderen namen.
sie heißt geduld:

es ist die geduld
durch alles hindurch alles beim namen zu nennen.
die gedichte, die locken und röllchen
die korkzeilen in jedem riß
weiche.

eine lust zu natürlichen zeichen
tritt die metapher ins erdreich,

es ist die hoffnung,
alles
anders zu sehen:
die welt wie eine gemeinsame arbeit,
in der die Gefühle verteilt sind,
auch die beobachtung,
dass es weitergeht.

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