WEGHAFTES. ARCHITEKTUR UND LITERATUR




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4.1. /
/ Markus Jaroschka: Die Reihe "Werkgruppe Lyrik"
- Zelte der Sprache /


/ "Vom 'Weghaften' in der Poesie" /

"Vom 'Weghaften' in der Poesie" zu schreiben, macht einen Lyriker, fernab jeder literaturwissenschaftlichen Betrachtung, mehr als nachdenklich. Das "Weghafte" in der Poesie? Im Nachsinnen offenbart sich sogleich, dass dies mit der Betrachtung des Ausgangspunktes von Sprache einhergeht. Gelernte Philosophien, Sprachphilosophien, Schulen von Sprachkritiken schwirren durch den Kopf. Viele sehen in der Literatur die wirkliche Erkenntnissuche in der 'Welt'. Doch auf welchen Wegen, an welchen Orten von Lebensräumen - sind es reale oder ideelle Orte? - findet diese Erkenntnissuche statt. Peter Handke spricht einmal in diesem Zusammenhang schlicht von den Zwischenräumen: "Aber ich lebe nur von den Zwischenräumen". Diese 'Überlebensräume' deuten auf Veränderung hin, auf ein Unterwegssein, von einem Durchqueren von Landschaften, von Orten, die wiederum real oder fiktiv sein können. Es sind permanente Selbstgespräche über die Orte und Nicht-Orte des Seins, ein Festhalten von 'Ich-Einsamkeiten', von Grenz-Erlebnissen, ein Aufzeigen der Differenz in uns und draußen in der 'Welt' zwischen bloßem Geschwätz und Gespräch.

Dieses Unterfangen von existentiellem Unterwegssein bedeutet immer, Grenzen aufzusuchen, Unbekanntes, Neues im Außen und Innen der 'Welt' aufzuspüren, menschliches Denken und Fühlen zu begreifen, die immer neue Unerklärbarkeit der Existenz des Universums sich vor Augen zu führen... Es sind dabei immer Grenzen, an die man stößt, so ist damit vielleicht das literarische Feld schlechthin umschrieben. Vielleicht ist das eine zu idealistische Position: Literatur, Poesie als Grenzsuche. Es könnte der Einwand erhoben werden: Die Codes der modernen Zeit sind andere geworden. Doch das Thema "Grenze" hat in Europa eine lange Geschichte...

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